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BeitragVerfasst: Mi Aug 05, 2009 4:02 pm 
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Registriert: Do Aug 17, 2006 8:46 pm
Beiträge: 115
Wohnort: Pfaffenhofen
Vor ca. 30 Jahren hatte ich die erste Begegnung mit Leuten, die stottern MÜSSEN - ob sie es KÖNNEN, da würde ich nicht mein Haus drauf verwetten. Um etwas zu können, muss man es als Teil von sich LIEBEN. Ich untersuche das Müssen und das Können schon seit 35 Jahren als Ich-kann-Schule-Lehrer in der Pädagogik und mein Eindruck von den Stottern-Müssern ist, dass sie a) keine Könner sind, und dass sie b) wenn man sie darauf anspricht und sich für ihr Können interessiert, sich noch mehr ins Müssen hineinsteigern und es verteidigen als sei dieses Müssen ihr Leben. Es ist folglich ihr Leben.
Nichts ist ihnen wichtiger als das Stottern-Müssen, es darf keine fremden Götter daneben geben. Ich habe oft den Eindruck, nicht mal Gott. Wenn man ihr Stottern-Müssen nicht hochachtet, fühlen sie sich zutiefst erniedrigt. Sie identifizieren sich zu 150 Prozent mit ihrem Müssen. Ihre Person darf man vieleicht infragestellen - sie tun es ja oft selbst pausenlos - aber ihr Stottern-Müssen? Nie!!!
Mit ihren feinsten Gefühlen hängen sie am Stottern-Müssen. Und wenn man mit soviel Hingabe MUSS, dann bleibt es nicht auf einen Bereich beschränkt sondern wächst weiter. Man wird immer mehr kompetent für MÜSSEN und immer weniger für alles andere.
Und dann möchte jemand kommen, der von MÜSSEN keine Ahnung hat, und einem sagen, dass man KANN???!!!
Man macht sich das Leben schon selber schwer genug! Und dann möchte es einem einer noch schwerer machen indem er behauptet, dass es LEICHT ginge?! Ja, für was hätte man sich denn da über die Jahre hinweg gequält! Das wäre dann wohl alles verkehrt gewesen? .......
Es ist interessant, wie nahe Menschen im Affekt oft an der Selbsterkenntnis vorbeischrammen. Wenn man seine Seele dem MÜSSEN verschrieben hat, hat das jedoch einen kleinen Nachteil: Man MUSS. Und man kann nicht.
Wer stottern MUSS kann nicht nur nicht reden wie er will, er kann auch nicht stottern wie er will. Um beides zu können, müsste er sich erst einmal bewusst werden, dass Müssen und Können zwei paar Stiefel sind und dass er ein Müsser und kein Könner ist. Dann könnte er der Frage nachgehen: Wie lerne ich KÖNNEN?
Dazu wäre hilfreich, zu reflektieren, wie man bisher mit Müssen & Können umgegangen ist. Habe ich nicht immer das Müssen geliebt - und ihm so meine ganze Lebensenergie gegeben und es stark gemacht? Und habe ich nicht das Können - in anderen wie in mir - stets gehasst und es so in anderen wie in mir nur immer kleinzuhalten und zu vernichten getrachtet?
Jeder stottert und spricht und lebt so wie er sich und seine Fähigkeiten dafür liebt.
Vielleicht belebt diese kleine Provokation (lat. "Hervorrufung") die Diskussion im Forum ein wenig. Ich grüße freundlich.
Franz Josef Neffe


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